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Warum sind die heutigen Russen so wie sie sind?

Schocktherapie
Russlandsgeschichte der 90er

Russlands Geschichte der 90er. Viele Gründe des heutigen Verhaltens Russlands liegen in den 90er Jahren. Um die Russen besser zu verstehen muss man den Blick in die Vergangenheit werfen. Die große Transformation für Russen hat in den 90´ern stattgefunden. Im Volk nennt man sie oft die Schocktherapie. Warum Gorbatschow und Jelzin die meist gehassten Personen in der russischen Welt sind? Die Antworten darauf muss man nicht nur in der politischen Umwandlung suchen, so wie z.B. in dem Bruch der Sowjetunion. Viel mehr sind es unzählige persönliche Tragödien, die bis heute die Russen prägen.
Es ist eine der wichtigsten Fragen, was derzeit Russen beschäftigt. Wie konnte uns das alles passieren? Für die meisten Russen stellten diese Jahre ein persönliches Drama da, was bis heute noch nicht verarbeitet ist. In den letzten Jahren haben viele angefangen, die neueste Geschichte zu erforschen, insbesondere politische Hintergründe. Andrey Fursov ist einer davon. Seine Videos und Beiträge zu Russlands Geschichte der 90er sind sehr gefragt, da sie den Menschen helfen, auch Ihr persönliches Drama zu verstehen.
Die Auseinandersetzung des Präsidenten und seines künftigen Nachfolgers – Gorbatschow und Jelzin – hat sich in 1989 verschärft. Russland hat seine Unabhängigkeit am 12.06.1990 deklariert. Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war der August-Putsch in 1991. Danach kamen die „feschen“ 90-er. Das Kriminelle hat die volle Kraft erlangt, da alle Verbote entfallen sind.

Kriminalität – Russlands Geschichte der 90er

Eine meiner Bekannten hat die Schule in 1993 abgeschlossen. Neulich hat sie ein Klassentreffen gehabt. Danach hat sie mir weinend erzählt, dass über die Hälfte der Jungs aus ihrer Klasse nicht mehr am Leben sind. Einige sind in Tschetschenien gestorben, andere in den Banditenkämpfen. Ich habe Gänsehaut, wenn ich es höre – es ist mir immer noch zu ungeheuerlich und es wird wahrscheinlich immer so auch bleiben. Ich besuche die Treffen von meiner Klasse nicht. Ich war fertig mit meiner Schule in 1989. Ich ahne, wie viele nicht mehr dabei sind. Ich bin immer noch nicht bereit mich damit zu konfrontieren. Es tut immer noch sehr weh. Warum ist es so gewesen? Wer wollte es? Wie kam es dazu? Diese Fragen plagen das ganze russische Volk im Bezug auf die Russlands Geschichte der 90er.
Der russische Schriftsteller, Anatoliy Emeljaschin, hat in September 1994 geschrieben:“ in dem angekommenen Chaos ist es nicht schwer alt zu werden. Die Welt, die noch vor kurzem sehr stabil erschien, ist wie vom Fuß auf den Kopf gestellt worden. Jeden Tag hören wir über Schießereien, Aussprengungen und Morden der neuen Geschäftsleute-Politiken, die in der Perestroika aus den unbekannten kriminellen Tiefen aufgetaucht sind. Wie lange wird diese Gesetzlosigkeit noch gehen? Wie viele Opfer wird es noch geben? Hätten sie einander getötet, aber wohl auch die Unschuldigen kommen ums Leben in deren Kämpfen. Oder ist es die unverzichtbare Bedingung des Überganges zu Marktwirtschaft? Zum Teufel dann mit ihr“. Das sind die größten Merkmale der Russlands Geschichte der 90er.

In der Mitte der 90`er gab es in Russland eine nie dagewesene Kriminalität. Nach der Aussage von Generalmayor FSB Alexander Gurov gab es damals ca 32.000 vorsätzliche Morde pro Jahr, davon 1,5 Tausend waren Auftragsmorde. Das sind nur offizielle Statistiken. Vermutlich waren es viel mehr. Besonders haben alte Menschen gelitten. In den zwei schlimmsten Jahren, wurden wegen Wohnungen ca. 15.000 einsame alte Leute allein in Moskau ums Leben gebracht. Russlands Geschichte der 90er ist auch durch solche Erinnerungen des Volkes geprägt.
Nach dem Zerfall der UDSSR ist die ganze kriminelle Welt aufgewacht und nutzte die traurige, rechtliche Situation im Lande überall, wo es möglich war, aus. Kriminelle Geschäfte haben mehr und mehr legale Betriebstätigkeit ersetzt. Die Rechtsschutzorgane haben versagt wegen der fehlenden Finanzierung, wo die Mitarbeiter nicht immer genug Geld zum Essen unter hyperinflationären Bedingungen hatten. Dazu kamen oft Reorganisierungsmaßnahmen in die Strukturen. Nichtsdestotrotz haben viele Mitarbeiter ihr Bestes getan. Sie waren ja auch oft die Opfer in diesem inoffiziellen Krieg. Herr Gurov nennt die Zahlen: von hundert bis tausend pro Jahr. Das ist auch ein wichtiger Merkmal der Russlands Geschichte der 90er.

Auf einmal gab es diverse Joint-Venture-Unternehmen. Davon haben nur rund 30% mehr oder weniger legale Tätigkeiten ausgeübt. Der Rest hat die Schattenwirtschaft erschaffen. In dieser Zeit begann auch die massenhafte Überführung des Kapitals ins Ausland.

Nahrungsmangel und Privatisierung

In August 1992 haben die russischen Bürger die Möglichkeit bekommen, die Privatisierungsscheine (Voucher) zu erhalten, die man gegen Aktiva der Staatsunternehmungen tauschen konnte. Die Autoren dieser Reform haben dem Volk zu Beginn versprochen, dass man für ein Voucher im Wert von 10.000 Rubel damals 2 Wolga-Fahrzeuge kaufen könnte. Dabei hat man zu Ende 1993 nur 2 Flaschen Wodka dafür bekommen. Allerdings „begabte“ Marktteilnehmer, die den Zugang zu Information hatten, haben es geschafft, mit Vouchers riesige Vermögen zu bilden. Die Vouchers sind in den Erinnerungen der Russen als sehr prägender Merkmal der Russlands Geschichte der 90er geblieben.
In 1991 hat die Regierung Essensmarken eingeführt, die jedem das Recht gegeben haben, bestimmte Waren kaufen zu dürfen. Es waren z.B. folgende: 1 kg Mehl, 10 Eier, 1 L Öl. Es gab drei verschiedene Gruppen der Geschäfte: In einem konnte man nach Essensmarken allerdings mit einer sehr langen Warteschlange Produkte wie Milch, Fleisch, Fisch, Reis, Tee, Wodka, Zigaretten etc. kaufen. In der zweiten Gruppe konnte man die Produkte, die es immer gab, wie Getreide, Brot, Salzgurken, Konserven etc., normal erwerben. Und in der dritten Gruppe gab es Vieles, aber unbezahlbar und inoffiziell unter der Hand, nicht für jeden zu haben. Russlands Geschichte der 90er ist auch durch solche Erinnerungen des Volkes geprägt.
Der Alkoholkonsum Mitte der 90er hat das Maximum in der Geschichte des russischen Volkes erreicht – 18 Liter pro Jahr und Menschen. Getrunken hat man in der Regel billigen Fusel oder billigen Import-Alkohol. Der Grund dafür war die verbrecherische Steuer von 90% auf Alkohol. Daher konnten sich nur Wenige den guten russischen Qualitätswodka leisten. Nach einigen Quellen war die Anzahl der Opfer der Vergiftung durch schlechten Alkohol ca. 700.000 Menschen jährlich. Besonders bekannt dafür war Spiritus Royal aus Holland. Man hat ihn gerne gekauft, da er billig und ergiebig war – man hat den Spiritus mit Wasser verdünnt. Damit ist auch Alkohol ein Symbol der Russlands Geschichte der 90er.
Russland war außerdem voll überfüllt mit schlechten Nahrungsprodukten aus dem Ausland.

Obdachlose Kinder

Russlands Geschichte der 90er ist auch durch solche Erinnerungen des Volkes geprägt. Das Elend und übermäßiger Alkoholkonsum im Sinne Kummer-Saufen hat dazu geführt, dass auf den Straßen die ganze „Armee“ obdachloser Kinder rumlief. Nach verschiedenen Berechnungen waren es mindestens über 2 Mio. obdachlose Kinder im Land in den 90`ern. Das war eine Erscheinung, welche Russland seit den Zeiten des zweiten Weltkrieges nicht erlebt hat. Jedoch der Unterschied war krass – im zweiten Weltkrieg versuchten die Leute einander zu helfen und zusammen zu überleben. Für die traurigen Schicksale der Waisenkinder gab es objektive Gründe – Russland hat nicht den zweiten Weltkrieg angefangen. Aber die 90`er dagegen schilderten ganz andere Verhaltensweisen. Ich habe mehrere Male versucht, die obdachlosen Kinder zur Miliz zu bringen, wie es in sowjetischen Zeiten üblich war. Die Miliz, eine spezielle Abteilung davon „Kinderzimmer“, hätte dafür sorgen müssen, dass die Kinder in entsprechenden Einrichtungen wie Waisenhäuser oder Internate zugewiesen wurden. Man hat mich jedes Mal einfach ausgelacht. Also habe ich mich bemüht, wenn ich finanziell konnte, den Kindern mal etwas zu essen zu geben. Das Geld wollte ich nicht geben, da ich Angst hatte, die Kinder sind eventuell drogenabhängig.
Der Drogenkonsum der Kinder war erschreckend. Beide Söhne meiner guten Bekannten sind den Drogen zum Opfer gefallen. Es war eine gute Familie, die ihre Kinder geliebt und gepflegt hat. Den Drogenkonsum hat man den Kindern in der Schule beigebracht. Die Jungs waren zwischen 10 und 13 Jahre alt, als die „lieben“ Menschen zu Schule kamen und die Drogen kostenlos in der Schule verteilten. Keine Mutter in Russland hat dies erwartet. Es war undenkbar, es war unmöglich. Und es war die Wahrheit. Als sie dies bemerkt hat, war es zu spät. Sie hat Jahre gebraucht, um Ihre Kinder zu retten. Sie hat gekämpft mit allen Mitteln. Schließlich haben die russischen orthodoxen Mönche ihre Kinder geheilt – durch Liebe und Arbeit. Nichtsdestotrotz hat sie einen Sohn in 2015 verloren. Er ist an den Spätfolgen des Drogenkonsums gestorben. Der Körper hat zu viele Schäden bekommen und das Herz hat versagt.
Viele haben vergessen, dass es in Russland in den 90`ern so eine Wildheit gab, wie Kinderhandel mit dem Ausland. Es waren auf gar keinen Fall die selbstlosen Helfer – es ging um ein überprofitables Geschäft. In Russland hat es damals ca. 100 Unternehmen gegeben, offiziell registriert, die die Kinder ins Ausland verkauft haben – für Adoption, wie den slawischen Sklaven zur Zeiten des alten Roms. Es waren um die 10.000 Kinder pro Jahr durchschnittlich. Russlands Geschichte der 90er ist in der Volkserinnerung auch damit geprägt.

Geschäfte und Arbeitsbeschäftigungen

Das Land hat eine intellektuelle und sexuelle Revolution erlebt. In der wirtschaftlichen Sicht fiel Russland auf das steinzeitliche Niveau. Das ist auch ein wichtiger Merkmal der Russlands Geschichte der 90er. Statt Geld haben die meisten Menschen die Produkte seines Unternehmens in Naturalien bekommen. Einer meiner Kunden, ein hochgebildeter Spezialist im Maschinenbau, hat sein Gehalt mit den Produkten seines ehemaligen Arbeitgebers bekommen – dies waren Klima-Geräte für Schaltschrank-Klimatisierung. Als ich mit ihm in 2012 im Gespräch war, hat er die Geräte hoch gelobt. Er hat mir erzählt, mit einer kleinen selbstvorgenommenen Modifizierung hat er damit seine Badewanne klimatisiert und ist sehr zufrieden. Es funktioniert bereits seit fast 20 Jahren. Eine andere Verwendung hat er in den 90`ern für seinen „Verdienst“ nicht gefunden.
Das ganze Volk war beschäftigt das Eine auf das Andere zu tauschen. Das ist auch ein wichtiger Merkmal der Russlandsgeschichte der 90er. Das Geld war so billig geworden, dass im Land nur Millionäre unterwegs waren. Der Tauschhandel hat bisher nie dagewesene Dimensionen erreicht. Ein der großen „Helden“ des Tauschhandels in Russland war Herr Sterligow, der vielen deutschen durch seine neue „Biolebensweise“ auf vorindustriellem Niveau bekannt geworden ist.
Für große Geschäfte musste man immer eine schwere Last tragen – das Geld in Plastiktüten wiegte mehrere Kilogramm.
„Fesche“ 90er sind Schutzgelderpressung und Banditen, Schein und Elend, Eliten-Prostituierte und Hexer im Fernseher, Alkohol, Drogen und kommerzielle Leute. Es sind 20 Jahre vergangen, aber die ehemaligen Republiken der UDSSR haben sich bis zur Unkenntlichkeit verändert. Dies war die Zeit der „Teleportationen“. Einfache Jungs, gestrige Schüler sind zu Banditen geworden, denn zu Bankiers, manchmal auch zu Deputaten. Allerdings nur diejenigen, die überlebt haben…
Damals hat man das Unternehmen ganz anderes aufgebaut als jetzt. Damals hätte keiner die Idee gehabt mal studieren zu gehen. Zuerst musste man eine Pistole kaufen. Wenn die Pistolenkontur in den Jeans nicht deutlich zu merken war, wollte man mit diesem Start-Up nicht mal sprechen. Die Pistole hat geholfen mit dem Geschäftspartner zu reden, der schwer von Begriff war. Wenn der Junge Glück hatte und nicht gleich am Beginn seiner Tätigkeit getötet wurde, dann konnte er sich sehr schnell einen Jeep kaufen. Die Verdienstmöglichkeiten schienen unbegrenzt zu sein. Das Geld kam und ging sehr leicht. Einige haben alles verloren. Andere, die mehr Glück hatten, haben das Vermögen ins Ausland verfrachtet, sind dann zu Oligarchen geworden und begannen das Geld auf ganz legalen Wegen zu verdienen.
Vertreter der intellektuellen Elite in dieser Zeit waren oft arbeitslos. Sie haben sich geschämt auf den Markt zu gehen und dort etwas zu verkaufen, wie es die meisten Menschen gemacht haben in der Hoffnung irgendwie etwas Geld zu verdienen. Viele Akademiker haben alle Wege benutzt, um das Land zu verlassen. In dieser Zeit hat Russland sehr viele gute „Gehirne“ verloren. Russlands Geschichte der 90er ist in der Volkserinnerung auch damit geprägt.
Es gab aber auch wirkliche Helden der Wissenschaft. Meine Schwester hat mit eigenen Augen gesehen, als sie in dem Sankt-Petersburger Arktischen und Antarktischen Forschungsinstitut als Sekretärin gearbeitet hat, was einige Forscher, unbezahlt über Monate hinweg, geleistet haben. Am Tage haben sie fleißig im Institut gearbeitet, abends haben sie Blumen an der nahe liegenden U-Bahnstation verkauft oder sonstige Waren, um ihren finanziellen Beitrag für die Familie zu leisten.
Über den Hintergrund der wirtschaftlichen Krise und absoluten Unkenntnis des Volkes in den Finanzgeschäften haben sich verschiedene pyramidale Betrugsgeschäfte bereichert. Die bekannteste Firma von den allen war MMM. Nach einiger Schätzung hat Herr Mavrodi, der Gründer, über 10 Mio. Kunden angeworben. Keiner weiß die genaue Höhe der Verluste. Es ist jedoch bekannt, dass nur in Moskau täglich in die Kassen von MMM bis 50 Mio. US-Dollar geflossen sind.
Anfang der 90er gab es in Russland ein sehr hohes Wachstum der Prostitution. Genaue Zahlen sind ungekannt. In diesen Jahren hat man in Russland auch zum ersten Mal in der Geschichte was über männliche Prostitution gehört und Sex mit Kindern, was ebenfalls zum Verkauf stand. Das ist auch ein wichtiger Merkmal der Russlandsgeschichte der 90er.
Mitarbeiterinnen der Sex-Industrie lebten und kleideten sich besser als die Ehefrauen der Parteifunktionäre zu Zeiten der UDSSR. Nach einer Umfrage der Schülerinnen einiger Großstädte Russlands aus dieser Zeit war der Beruf der Devisen-Prostituierten zwischen zehn der meist angestrebten Berufe. Russlands Geschichte der 90er ist auch durch solche Erinnerungen des Volkes geprägt.
Unglaublich, aber wahr: Noch Ende der 80er war es erstrebenswert für Mädchen in allen russischen Orten abseits der Großstädte eine Ehe als Jungfrau zu vollziehen. Wie konnte es sich bloß so schnell ändern?

Die Propaganda – Sex und Gewalt

Anfang der 90`er entstanden an jeder Ecke plötzlich die Videotheken. Russlandsgeschichte der 90er ist in der Volkserinnerung auch damit geprägt. Ein breites Spektrum westlicher Filme lockte viele Besucher an, die sich die westlichen „Werte“ gerne mal anschauen wollten. Merkwürdigerweise bestand der Hauptteil dieser Filme aus Porno-, Grusel- und kämpferischen Actionfilmen. Die bekanntesten davon sind Emmanuelle, nach den Romanen der französischen Schriftstellerin Emmanuelle Arsan, wo es um die junge Ehefrau eines französischen Diplomaten ging, die ihre Sexualität erforschen wollte. Ihr Ehemann hatte überhaupt nichts dagegen, sondern motiviert seine Frau sogar, ihre sexuellen Erfahrungen abseits des Ehebettes zu suchen, damit sie zu einer erfahrenen Liebhaberin wird. Ein anderer Film, den auch fast jeder gesehen hat, ist Inter-Devotschka (Inter-Mädchen). Hier geht es um eine hochbezahlte Prostituierte, die mit Ausländern geschlafen hat und gut in Devisen verdient hat. Danach hat sie einen Ausländer geheiratet. Die lustige Komödie mit Julia Roberts „Pretty Woman“ ist ja auch jedem bekannt gewesen. Abgesehen davon haben viele Frauen ganz einfach kein Geld, um die Kinder zu ernähren und mussten deswegen anschaffen gehen. Durch diese Propaganda hat man diesen Frauen den Scham weggenommen und sie auf die Straße getrieben.
Die männlichen Helden waren Kriminelle oder einsame Kämpfer. Ein der beliebtesten Leitmotive dieser Zeit ist ein einsamer Held, der gegen das System kämpft, mit allen Mitteln, um das Überleben. Die Helden dieser Industrie waren Silvester Stallone und Andere.
Für die Russen war dies ein Kulturschock. Sie waren ja gar nicht psychisch vorbereitet, sich mit dem Überfluss solcher Leitbilder zu konfrontieren. Und noch dazu unter den Umständen einer humanitären Katastrophe, als jeder einzelne Mensch sich in einem persönlichen Weltuntergang fühlte.
Das Fernsehen machte ebenfalls fleißig mit. Die Hexer hatten ganze Familien zu ihren Sendungen versammelt. Sie haben Fernheilungen praktiziert, Wasser übers Fernsehen energetisch geladen und sonstige merkwürdige Taten vollbracht. Viele Informationen im Fernsehen hatten als Ziel, die Leute klein und unbedeutend zu machen, die russische Geschichte zu nivellieren und dem russischen Volk beizubringen, wie schlecht und unbedeutend es ist. Überall als Leitmotiv war zu spüren – Russen sind faule Alkoholiker, die nichts können.
Dazu kamen noch neue Bücher auf den Markt, wessen Inhalte völlig neu für Russen waren. Bekannterweise hat man in der Sowjetunion über Sex gar nicht geredet. Und plötzlich war überall nur Sex und Gewalt.

Bevölkerungsverluste – Russlands Geschichte der 90er

V. Litvinenko, Dr. der technischen Wissenschaften, Professor, hat so das Jelzin Regime beschrieben: „Im Ganzen die übermäßige Sterblichkeit der Bevölkerung, ausgelöst durch Taten oder Untaten des Jelzins Regimes in den Jahren von 1991-1999 (verglichen mit der Sterblichkeit im entsprechenden Alter in 1989) gerechnet nach den Data von Rosstat, betrug ca. 4 Mio. Menschen – 400.000 Menschen pro Jahr. Dementsprechend sind wegen der Repressionen in der Periode der Jelzin-Regierung, der Russlands Geschichte der 90er, jährlich im Durchschnitt 5-mal mehr Bürger vorzeitig gestorben als zu Stalins Epoche. Diesen Schluss bestätigen die Rosstat Daten bezüglich der Änderung der Bevölkerungsanzahl in der UDSSR in 1927-1953 und in Russland in 1991-1999.“

Russlandsgeschichte der 90er
Bevölkerungsverluste in Russland

Aus Wikipedia
Nach den Angaben der Weltgesundheitsorganisation Mitte 90er die ersten 5 Plätze bezüglich der Anzahl der Selbstmorde hatten Litauen, Russland, Lettland, Estland und Kasachstan. Fast ¼ der männlichen Tode waren durch Selbstmord bedingt. Es ist ein der traurigsten Merkmale der Russlandsgeschichte der 90er.
Man redet von mindestens 4 Mio. Menschen, die das Land verloren hat. Der russische Web-Ressource Nakanune (https://www.nakanune.ru/articles/113202/) berichtet über 10 Mio. Menschen als konsolidierter Verlust der Bevölkerung. Hier wird allerdings eine Vergleichsmethodik angewendet. Diesen Wert nimmt man durch Vergleichen der Sterberaten und Geburtenraten in 1990 mit den Werten aus 2000 an. Wie wäre die Anzahl der Menschen in 2000, wenn die Sterblichkeit und Geburten auf das Niveau von 1990 geblieben wären? Diese Methode berechnet so eine Art „entgangenes Bevölkerungswachstum“. Diese Berechnung ist für die Jahre 1992-2001 durchgeführt.
In den 90`ern haben über 20.000 Dörfer in Russland die Bevölkerung verloren.
Millionen von Männern haben ihr Leben gelassen, weil sie nicht ertragen konnten, wie ihre Werte jegliche Bedeutung in Handumdrehen verloren haben. Sie haben nicht überlebt, weil sie für den Staat, wem sie Jahrzehnte lang treuen Dienst erwiesen, plötzlich völlig unnötig geworden sind. Die, die überlebt haben, blieben in geistiger Erstarrung, psychologisch gelähmt und gebrochen. Der Super-Stress der Perestroika hat sie kaputt gemacht. Sie waren nicht in der Lage sich selbst in dem neuen Staat zu finden, weil sie nicht mehr in der Lage waren, ihren Familien zu versorgen. Sie waren auch Opfer der Russlands Geschichte der 90er. Für Männer dieser Generation war dies eine der größten Tugenden.

Langsam nach oben

Das Leben im Land wird zwar besser, aber langsam. In 2000 organisierte Kriminalität, Erpressung, Menschenrauben und sonstige schlimme Dinge haben sich rasch gemindert. Das haben vor allem die Maßnahmen bewirkt, die Putin eingeleitet hat.
Es ist über 20 Jahre seit dem Zerfall der Sowjetunion vergangen. Das russische Volk spürt immer noch die schwierigsten Folgen dieser humanitären Katastrophe in Russlands Geschichte der 90er. Sie hat jeden Einwohner der früheren Großmacht getroffen – Russlands Geschichte der 90er. Diese Katastrophe ist in jede Familiengeschichte eingegangen und hat dort eine ganz individuelle Spure hinterlassen. Diese Spuren sind dermaßen individuell und nicht offensichtlich, dass die meisten russischen Menschen sie immer noch nicht mit dem Hauptgrund für sie verbinden können – mit dem Zerfall des Staates, mit dem Zerfall der Gesellschaft…
Die „feschen“ 90`er haben das Leben der ganzen Generation geprägt. Sie haben eine ganze Reihe von Vorstellungen und Gewohnheiten geformt bei der Generation, die in den 90`ern das Jugendzeitalter hatte. Ich gehöre ja ebenfalls dazu. Oft auch jetzt, nach 20 Jahren, diese Vorstellungen bestimmen unser Leben. Diese Menschen glauben selten den offiziellen Mächten. Sie schauen auf jede Regierungsinitiative mit großem Verdacht zu. Zu oft hat die Regierung in Russlands Geschichte der 90er das Volk belogen. Diese Generation möchte auch ungerne das verdiente Geld den Banken anvertrauen. Sie möchten nicht unbedingt sparen, sie haben ja Hyperinflationen bereits durchgemacht. Sie mögen sich von den Behörden fern halten. Das haben sie durch die Gesetzlosigkeit der 90er gelernt, als der einfache Mensch völlig ungeschützt vor dem Gesetz stand. Die Jugend aus den 90`ern mag selber auch nicht unbedingt nach den Regeln und Beschränkungen leben.
Der größte Vorteil meiner Generation der 90`er besteht darin, dass wir uns vor keinen Schwierigkeiten scheuen. Wir haben die 90`er buchstäblich überlebt, wir sind so abgehärtet, dass wir jede Krise überleben können. Und zwar mit völlig unkonventionellen Methoden, die Not macht erfinderisch. Was Russen sich manchmal einfallen lassen wundert sogar sie selbst.
Die Generation der 90`er hat auch ihre Kinder entsprechend erzogen, damit sie Überlebenschancen unter allen Bedingungen haben können. Das geht von ganz extremen Erscheinungen wie bei dem ehemaligen russischen Neu-Reichen German Sterligow (von Deutschlandfunk als „Oligarch aus dem Wald benannt“), der seine Kinder auch im Schießen üben lässt, bis zu ganz harmlosem Streben nach Bildung im Ausland oder dem Drang zur Selbstversorgung. Der Datscha-Sport nimmt in Russland ebenfalls jedes Jahr zu. Datschas sind die Sommer-Ferienhäuser, die traditionell auch zum eigenen Gemüseanbau benutzt werden. Wie viele Familien Datschas haben, weiß niemand genau. Die statische Erfassung ist noch nicht abgeschlossen, viele Datschas sind noch nicht erfasst. Nach einigen Angaben haben rund um 48% der Bevölkerung in Großstädten eine Datscha und gesamt rund um Russland sollen es um 60% sein.

Sogar wohlhabende Geschäftsleute ackern auf den Beeten Ihrer Eltern und Großeltern. Nicht weil sie es finanziell nötig haben, sondern weil dies auch ein Teil der russischen Überlebenskultur ist. Abgesehen davon sind Russen auch sehr bekannt dafür, dass sie viel Wert auf Öko-Produkte legen aus gesundheitlichen Gründen. Die Russen mögen das Dorfleben. Über Datschas können sich absolut gegenseitige Menschen unterhalten, weil das Thema ja jedem nah und bekannt ist.

Russlandsgeschichte der 90er
Rückkehr zu christlichen Werten

Die Tragödie der Russlands Geschichte der 90er erklärt vieles an dem heutigen Russland. Zustimmung für Putin ist nur ein sehr kleiner Teil davon. Vielmehr ist es der Aufstieg des Russisch-Orthodoxen Glaubens. Die neuen Kirchen wachsen auf wie die Pilze nach dem Regen. Nur seit 2010 hat die Russische Kirche über 5.000 neuen Kirchen bekommen – so der Patriarch Kirill in seiner Rede bei einer Zeremonie in Taganrog in 2016. Ich habe leider keine Statistiken zur Anzahl der Gläubigen in Russland. Sie werden ja nicht erfasst. Nach einigen Schätzungen (darunter https://ria.ru/religion/20170823/1500891796.html) 70% bis 80% der Menschen zählen sich zu Christen, obwohl nur ein Bruchteil davon regulär zu Kirche geht und den Ritualen folgt. Die Kirche in Russland ist nicht mit dem Staat verbunden – es gibt keine Kirchensteuer. Aber die einigen deutschen Geschäftsleute, die in den letzten Jahren unterwegs waren, haben sicherlich die Zunahme an den Kirchenbauten bemerkt. Und diese Kirchen sind alle aktiv besucht. Alles, was gebaut wird, ist von Spendengeldern gebaut. Die Spenden sind völlig freiwillig. Das Geld geben die Reichen und die Armen. Warum? Weil das russische Volk eine wahnsinnig starke Sennsucht nach den echten Werten hat, nach zehn Geboten. Zu viele Opfer hat dem russischen Volk die Wertelosigkeit als Folge der Russlandsgeschichte der 90er gebracht .

Der Zufluss der Gläubigen in die Kirchen der Russischen Orthodoxen Kirche in den letzten 20 Jahren hat nicht abgenommen, sondern nimmt jedes Jahr zu – so der Bischof Ignatiy Bronnizki in einem seiner Interviews. Vor unseren Augen ändert sich auch das Alter der Kirchengemeinde. Zurzeit die meisten Gläubiger sind Menschen im mittleren und jungen Alter. Sie nehmen den Glauben sehr ernst, bilden sich in religiöser Sicht aus, achten die orthodoxen Traditionen und Fastenzeiten, nehmen aktiv teil am Gemeindeleben. Menschen besuchen Kirchen mit ganzen Familien – mehrere Generationen zusammen. Unsere Familie hat es auch erlebt.

die russischen Kirchen sind gut besucht
russische Jugend

Wir – meine Schwester und ich – haben in den 90`er unsere Kinder getauft, weil unsere Oma uns diese Verpflichtung auferlegt hat. Wir waren jedoch nicht religiös und haben die Kirche kaum besucht. Der ältere Sohn meiner Schwester ist ohne christliche Tradition aufgewachsen. Jedoch als sie mit ihm als er 14 Jahre alt war in die Kirche kam, hat er sofort gespürt, dass er da einfach für immer und ewig bleiben will. Der Junge hat sein Gymnasium mit goldener Medaille beendet. Jugendliche, die eine Goldene Medaille haben, dürfen sich jede Uni wählen und dort kostenlos studieren. Keine Grenzen mehr existieren für solche intelligenten Kinder. Er hat sich die einzige Einrichtung ausgewählt, wo die goldene Medaille keine Eintrittskarte darstellte, wo er zuvor mehrere Jahren beweisen musste, dass er in seiner geistigen Entwicklung so weit ist, dass er dieser Einrichtung würdig wäre – das war das älteste St. Petersburger Priesterseminar in Russland. Die Geschichte meiner Familie ist keine Ausnahme. Diese Tendenzen sind überall in der russischen Gesellschaft zu spüren.
Die Tragödie der Russlands Geschichte der 90er und Rückkehr zu christlichen Werten erklären auch die sogenannte Homophobie der Russen, was im Westen so stark kritisiert wird. Als Folge der Russlands Geschichte der 90er haben Menschen  die Unzucht satt, sie wollen traditionelle Familien und Kinder. Das stark im Westen kritisierte Gesetz über das Verbot der Homosexuellen-Propaganda ist keineswegs ein Zeichen von oben, sondern war verlangt und erwartet von unten, von dem Volk. Die Regierung war gewissenmaßen unausgesprochen vom Volk gezwungen, diesen Schritt zu unternehmen.

Die Geschichte der 90`er erklärt auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt Russlands. Die Arbeitslosigkeit ist sehr niedrig, insbesondere in den Großstädten. Es gibt zu wenig Menschen, zu wenig Nachwuchs. Durch den gesellschaftlichen und intellektuellen Zerfall der 90er, gestärkt durch die liberalen Bildungsreformen hat der Ausbildungsstand und –Qualität sehr gelitten. Die theoretische Uni-Ausbildung hat zu wenig Praxis-Bezug, die bestens organisierten sowjetischen Systeme der mittleren Fachausbildung waren zerstört. Der wilde Kapitalismus der 90er hat die Bedeutung der Bildung stark nivelliert. Russlands Geschichte der 90er wendet sich zum Besseren.
Jedoch macht die Not erfinderisch. Russen sind Weltmeister im Schnelllernen und Kreativität. Die 90er haben es nicht geschafft, die Jahrtausende der russischen Kultur weg zu schaffen. Was ausgetrocknet zu sein schien, schießt jetzt in voller Blüte wieder hoch. Eine sehr hohe Anzahl der bildungsnahen Familien in der Sowjetunion hat die Lerntraditionen beibehalten und den künftigen Generationen weitergegeben.
Was Sie auf jeden Fall sich sehr gut merken sollen, die Generation der 90er kommt jetzt in Russland an die Macht. Es sind jetzt Leute im Alter zwischen 40 und 50. Sie haben das Böse in stärksten Ausprägungen durchgemacht und sich fürs Gute entschieden nach christlichem Vorbild. Sie kennen kein falsches „Gutmenschsein“, sie stehen mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen, sie sind ausgehärtet, pflegen aber sehr stark die traditionellen Werte und sind in der Lage miteinander zu kooperieren. Sie sind erfinderisch, mutig und sehr überlebensfähig. Und sie wollen ein anderes Russland, ein Russland, welches wieder zur Supermacht werden soll. Und diese Menschen sind in der Lage, diesen Traum zu realisieren. In den Zeiten der globalen Transformation haben sie die besten Chancen, weil sie nichts anderes gelernt haben, als mit den Änderungen zu leben und aus denen zu lernen.

Bildautorin: Anastasia Klunina

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